Fluid Painting – das Malen mit flüssiger Farbe

Du wolltest schon immer ein eigenes Kunstwerk erschaffen, scheust aber den Aufwand? Oder du bist vielleicht nicht mit dem Händchen von Van Gogh oder dem Esprit von Da Vinci gesegnet? Vielleicht wäre ja das Fluid Painting eine Technik für dich. Was genau das ist und wie es funktioniert, erfährst du in unserer Fluid Painting Anleitung.

 

Fluid Painting – was ist das eigentlich?

Fluid Painting, also die Kunst der „flüssigen Malerei“, ist so simpel wie faszinierend: Statt mit klassischen Werkzeugen zu arbeiten, bringt der Künstler die Farben in flüssigem Zustand auf die Leinwand. Dabei nutzt er Becher, Pipetten oder Einwegspritzen. Das Resultat ist nicht nur beeindruckend, sondern vor allem eins: ziemlich unvorhersehbar. Gerade das macht den Reiz am Fluid Painting aus.
Mit dieser einfachen Technik wird es auch Anfängern gelingen, wunderschöne Kunstwerke zu gestalten. Dennoch gibt es einige Dinge, die du dabei beachten solltest. Dabei wird dir diese Fluid Painting Anleitung helfen, damit nichts schiefgehen kann.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen drei verschiedenen Techniken: Acrylic Pouring, Resin Art und Alcohol Ink.

 

Acrylic Pouring

Unter dieser auch als Acrylgießen bezeichneten Technik versteht man das Malen mit flüssigen Acrylfarben. Die verwendete Farbe darf allerdings nicht zu flüssig sein. Außerdem sollte sie natürlich ihre Leuchtkraft bewahren. Damit dies gelingt, verdünnst du sie in einem bestimmten Verhältnis mit einem Pouring Medium. Das Zauberwort heißt Viskosität.

Welches Medium dabei Verwendung finden soll, ist ebenfalls eine Frage der eigenen Neigung und muss ganz einfach ausprobiert werden. Der eine Künstler kommt mit Gießmedien zurecht, die beim anderen blankes Entsetzen auslösen. Teste verschiedene Medien und folge deiner persönlichen Präferenz.

 

acrylic pouring

Wasser sollte, im Gegensatz zur klassischen Acrylmalerei, nicht oder nur zu einem geringen Teil verwendet werden, denn der Farbfilm kann dadurch reißen und die Farben können viel von ihrer Leuchtkraft einbüßen. Es muss zuviel davon verwendet werden, um eine ausreichende Viskosität zu erzielen. Die Pigmente der Farbe werden dadurch nur noch ungenügend aneinander gebunden und die Farbintensität kann gravierend leiden. Außerdem sind Risse im getrockneten Gemälde möglich, da Wasser schnell verdunstet. Mit Hilfe des Mediums jedoch werden nicht nur die Fließeigenschaften der Farbe positiv beeinflusst, diese behält auch ihre Leuchtkraft.
Das perfekte Mischverhältnis ist vor allem eins: Übungssache. Anfänger sollten zunächst Farbe und Medium im Verhältnis 1:1 in einem Becher mischen und sich danach sorgfältig die Konsistenz anschauen. Ist die Farbe nicht zu flüssig und fließt sie träge, etwa so wie flüssiger Honig, ist das Verhältnis korrekt.

Nach dem Mischen wird die Farbe auf die Leinwand aufgebracht. Dazu werden meist Becher verwendet.
Danach sorgt der Künstler dafür, dass die verschiedenen Farbtöne ineinander laufen. Hierzu bewegt er die Leinwand und neigt sie in verschiedene Richtungen.

Das Besondere an dieser Maltechnik ist die Zellbildung. Jeder gemischte Farbton besitzt eine eigene Dichte. Dadurch verdrängen sich die Farben gegenseitig und es entstehen beim Aufeinandertreffen Zellmuster von unterschiedlicher Größe. Diese sind unvorhersehbar und verleihen jedem fertigen Kunstwerk eine ganz eigene Faszination. Um die Zellbildung zu unterstützen, kannst du den Farben ein wenig Silikonöl beimischen und sie nach dem Aufbringen föhnen.

Das Ergebnis ist in jedem Fall phänomenal und die Gestaltung sehr einfach. Auch der Materialaufwand hält sich in Grenzen.

Das klingt alles trotzdem nach böhmischen Dörfern? Keine Sorge, mit unserer Fluid Painting Anleitung schaffst auch du es, ein Pouring Künstler zu werden!

Die Materialien

Um anzufangen, solltest du dir alle benötigten Materialien zurechtlegen. Mittendrin hin- und herzurennen, weil dir eingefallen ist, dass du jetzt doch die sich bereits ausbreitende Farbe föhnen möchtest, macht keinen besonders großen Spaß. Hier ist unsere ultimative Materialliste für die Acryltechnik:

  • ein Malgrund
  • Acrylfarben
  • Pouring Medium
  • Gummihandschuhe
  • einen oder mehrere Becher: Bitte großzügig sein und lieber ein paar Becher mehr bereitstellen!
  • destilliertes Wasser und Silikonöl, beides am besten in handlichen Spritzen oder Squeeze-Flaschen. Dies vereinfacht ihre Dosierung.
  • Küchenkrepp, um verschüttete Farbe oder Tropfen schnell aufnehmen zu können
  • Holzspatel und Schaber
  • Bunsenbrenner oder Föhn

Schütze deinen Arbeitsplatz, sofern du nicht über ein eigenes Atelier verfügst, mit alten Leintüchern, Folie oder dick ausgelegtem Zeitungspapier. Lüfte den Raum gut. Nun kann es losgehen!
Doch Moment! Hast du dich eigentlich schon für eine Technik entschieden?

Die wichtigsten Techniken

Es gibt beim Fluid Painting mit Acrylfarben viele verschiedene Methoden. Je nachdem, für welche du dich entscheidest, entstehen völlig unterschiedliche Kunstwerke. Und jedes einzelne davon hat seine besondere Faszination.

 

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=uylLaUcakJ0

 

Flip Cup
Für diese Technik gibst du die Farben übereinander in einen Becher. Dann drehst du diesen um und gießt sie auf einmal auf den Malgrund. Du kannst den Malgrund auch auf den Becher legen und dann beides umdrehen. Hiernach hebst du den Becher vorsichtig an und die Farben ergießen sich über deine Leinwand. Durch deren Neigung kannst du den Farbfluss steuern.

Puddle Pour
Beim Puddle Pour gießt du die Farben nicht gleichzeitig auf den Malgrund, sondern nacheinander und vor allem ineinander. Dabei entsteht, wie der Name schon sagt, eine Art Pfütze in der Mitte der Leinwand. Danach lässt du die Farben ganz nach deinem Gusto über das Bild gleiten. Hast du den Farben Silikonöl beigemischt, entstehen faszinierende Zelleffekte.

Dirty Pour
Ähnlich wie beim Flip Cup, werden die Farben in einen Becher gegeben, wo sie sich übereinander schichten. Die Farben werden kurz umgerührt, aber niemals so lange, bis sie sich vollständig vermischen. Du drehst den Becher nicht ganz um wie beim Flip und gießt so die Farbe komplett auf den Malgrund, sondern langsam und vorsichtig. Dabei entleert sich der Becher nach und nach.

Bottle Bottom Pour
Diese Technik ist besonders faszinierend. Du verwendest einen abgeschnittenen Flaschenboden und legst diesen auf deine Leinwand. Dann gießt du deine Farbe nach und nach darüber, wodurch blumenartige Muster entstehen.

Swirl Pour
Hier mischst du die Farben ebenfalls in einem Becher, um diesen mit gleichmäßigen und ringförmigen Bewegungen in der Mitte der Leinwand auszugießen. Es entstehen dabei spannende kreisrunde Formen. Da diese an Jahresringe von Bäumen erinnern, nennt man diese Technik auch Tree Ring. Ein ruhiges Händchen ist dabei unabdingbar. Diese Methode hat etwas Meditatives und du solltest dir dafür auf jeden Fall Zeit nehmen.

Wing Pour
Beim Wing Pouring handelt es sich um eine Fortgeschrittenentechnik. Dabei gehst du vor wie beim Swirl, allerdings verläuft deine Bewegung nicht kreisförmig, sondern in Flügelform.

Swipe
Die Swipe Technik ist geeignet, um wie beim Puddle Pour tolle Zelleffekte zu zaubern. Dabei bringst du zunächst dunklere Acrylfarben und danach Farben mit geringerer Dichte, beispielsweise Weiß, auf. Das Tolle an dieser Methode ist die fließende Bewegung, die du unter Zuhilfenahme von Spachtel oder Malmesser erzeugen kannst. Beim Swipe wird oft Silikonöl verwendet, denn das Wichtigste neben der Fließoptik ist die Zellbildung. So entstehen quasi Farbflüsse auf dem Bild, was dem Swipe ein unverkennbares Aussehen verleiht.

Air Swipe
Air Swipe basiert auf der gleichen grundlegenden Methode wie der Swipe. Allerdings verteilst du hierbei die aufgebrachten Farben mit Hilfe eines Föhns statt mit Malutensilien.

 

Resin Art – Kunst mit Epoxidharz

Resin kommt aus dem Englischen und bedeutet „Harz“. resin kunst ist also eine Kunsttechnik, bei der du mit Hilfe von Harz sowie einem Härter spannende Kunstwerke kreierst. Dabei musst du dich ein wenig beeilen, denn nach einiger Zeit härtet das Material aus. Es entsteht eine Kunststoffschicht, die nicht mehr bearbeitet werden kann.

Vielseitig einsetzbar

Der Vorteil von Epoxidharz ist, dass dieses vielseitig einsetzbar ist. Modellbauer schätzen seine Eigenschaften ebenso wie Künstler. Es lassen sich Schmuck, Skulpturen, Bilder, Tische, Arbeitsplatten und sogar Bodenbeläge daraus herstellen. Selbst beim Bootsbau ist Epoxidharz ein gern verwendetes Material. Aus Resin gefertigte Geoden wirken wie großflächige Schmuckstücke aus einer anderen Welt und veredeln jede Wohnungseinrichtung. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Fertigung wunderschöner Petri Dishes.
Dabei ist das Material haltbar und einfach zu reinigen. Außerdem besitzt es eine unverkennbare Leuchtkraft. Mischt man es mit Farbpigmenten, erschafft man einzigartige Kunstwerke.

Grundlagen und Materialien der resin kunst

Auch für die Resin Technik benötigst du natürlich verschiedene Materialien. Was du brauchst, hängt davon ab, was genau du erschaffen möchtest. Einen Tisch zu fertigen hat natürlich eine ganz andere Ausgangsbasis als ein Gemälde. Wenn du Petri Dishes gießen möchtest, brauchst du, zusätzlich zu den unten genannten Materialien, beispielsweise noch Gießformen aus Silikon.

Hier sind allerdings erst einmal die Basics für ein Kunstwerk auf einem Malgrund:

  • Epoxidharz
  • ein oder mehrere Malgründe
  • Farben
  • Mischbecher und Rührstab oder Plastikgabel zum Rühren
  • Bunsenbrenner, um Luftbläschen aus dem Resin zu entfernen und deine Verarbeitungszeit etwas zu verlängern
  • eventuell Isopropylalkohol, falls du Zelleffekte entstehen lassen willst

Nicht verwenden solltest du Leinwände, falls du ein Gemälde mit Hilfe von Resin kreieren willst. Leinwände sind zu dünn für das doch ziemlich schwere Harz und sorgen dafür, dass das Resin sich in der Mitte sammelt. Des Weiteren solltest du keinen Malgrund verwenden, der das Harz aufsaugen könnte. Am besten ist ein Malgrund aus Holz. Selbstverständlich sollte er grundiert sein.
Als Farben solltest du spezielle Resin Farben verwenden. Auch diese sind im Handel erhältlich.
Bei dieser Technik ist es ebenfalls sehr wichtig, deinen Arbeitsplatz zu schützen. Nutze dafür eine große Abdeckfolie oder dicke Lagen Zeitungspapier.

Alcohol Ink

Wie das Acrylic Pouring kommt auch diese Technik aus dem amerikanischen Raum und erfreut sich dort immer größerer Beliebtheit. Der Vorteil bei dieser Methode besteht darin, dass sich der in den Farben enthaltene Alkoholanteil sehr schnell verflüchtigt, jedoch immer wieder neuer Alkohol beigemischt werden kann. So können die aufgetragenen Farben immer wieder verändert werden.

Grundlagen und Materialien

Die für diese Technik benötigten Materialien sind die folgenden:

  • spezielle Alcohol Ink Farben
  • Blending Solution
  • Yupo-Papier oder Stone Paper
  • eventuell Permanentmarker
  • eventuell ein Föhn
  • eventuell Sprühflaschen und eine Atemschutzmaske

Die Blending Solution ist eine speziell für diese Technik entwickelte Lösung, die es dir ermöglicht, spannende Farbverläufe und Aufhellungen einzusetzen. Sie ist kein Muss, macht dein Kunstwerk allerdings noch einzigartiger.

Yupo-Papier wurde ebenfalls für diese Maltechnik entwickelt. Es hat eine besonders glatte Oberfläche und ist wasserfest. Diese Eigenschaften sind sehr wichtig für das Malen mit Alkoholfarben. Eine Alternative, gerade für Anfänger, ist das Stone Paper, welches ökologisch hergestellt wird und preisgünstiger ist.
Nach dem Trocknen deines Kunstwerkes kannst du ihm mit Hilfe der Permanent Marker noch einige Details hinzufügen. Dies verleiht deinem Gemälde eine noch stärkere Ausdruckskraft.

Nimmst du einen Föhn als Hilfsmittel, so kannst du ebenfalls wunderschöne Farbverläufe kreieren. Auch einen Bohrloch-Ausbläser kannst du hierfür verwenden. Für den Anfang tut es allerdings auch ein Strohhalm.
Mit Sprühflaschen kannst du dich noch ein wenig mehr austoben. Denke bei ihrer Verwendung daran, eine Atemschutzmaske zu tragen!

Nun kann es losgehen!

Zunächst gibst du ein paar Tropfen Blending Solution auf deinen Malgrund. Tröpfle nun die Farbe darauf – ganz nach Lust und Laune. Probiere dich aus und schau, wie das Ergebnis wird. Verwende mehrere unterschiedliche Farben und setze vorsichtig Tropfen neben Tropfen. Diese breiten sich zuerst kreisförmig aus. Berühren sie sich, laufen sie ineinander, verdrängen einander und setzen immer wieder neue Farbakzente. Wenn du mehrere Farben verwendet hast, kannst du auch wieder etwas von der Blending Solution aufbringen. Fahre fort, bis dein Kunstwerk vollendet ist.

Kunst lebt davon, sich auszuprobieren. Ohne Ausprobieren entstehen weder Kunstwerke, noch neue Techniken. Mit unserer Fluid Painting Anleitung hast du hoffentlich die Basics dieser faszinierenden Kunst erlernt und kannst nun deiner Kreativität freien Lauf lassen. Du wirst staunen, was für unglaubliche Bilder du kreieren kannst – und das mit nur wenigen Materialien.

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